São Miguel

Dienstag – Ankunft auf São Miguel Link zu Überschrift

Der Abschied in der Schweiz ist schneller vorbei als erwartet. Danach folgen Zug nach Zürich, Gepäck aufgeben, Sicherheitskontrolle und Warten. Der Flug startet verspätet, verschiebt sich noch weiter, und spätestens beim Umsteigen wird klar: Heute reist das Chaos einfach mit.

Blick aus dem Flugzeug auf Lissabon

Im Flugzeug ist das zum Glück halb so wild. Ich schaue Filme, denke etwas zu viel über mein Leben nach und versuche, langsam in den Reisemodus zu wechseln. Kurz vor der Landung meldet sich der Stress wieder zurück, weil der Anschluss plötzlich sehr knapp wirkt. Am Ende ist die Situation aber weniger dramatisch als befürchtet, auch weil der nächste Flug ebenfalls verspätet ist. Manchmal spielt Timing eben zu meinen Gunsten, wenn auch eher zufällig.

Blumen in Ponta Delgada

In Ponta Delgada entscheide ich mich für Bewegung statt Taxi und laufe vom Flughafen rund eine Stunde bis zum Hostel. Ich lande im A Bico Hostel und bin damit richtig auf São Miguel angekommen.

Strasse in Ponta Delgada am Abend

Mit einem Dach über dem Kopf ist das erste Ziel erreicht. Das zweite ist einfacher: Essen. Auf der Insel ist es zwar erst etwa 20.00 Uhr, aber mein Körper hängt noch in Schweizer Zeit. Also suche ich mir ein Restaurant in der Nähe des Hostels. Es ist laut, warm und voll, genau die Art von Lokal, das nach einem langen Reisetag entweder perfekt oder nervig sein kann. Zum Glück wird es perfekt: Nach kurzer Wartezeit kommt das Essen, und mit jedem Bissen wird der Tag ruhiger.

Es gibt Bifana no prato und zum Schluss Creme brulee. Danach ist der letzte Rest Ankunftsstress endlich weg.

Burger zum ersten Abendessen auf São Miguel

Mittwoch – Abtauchen Link zu Überschrift

Kirchturm in Ponta Delgada

Am Morgen bin ich früh wach und suche mir zuerst einen Kaffee. Dazu gibt es Frühstück, dann kommt mein persönliches Highlight der ersten Tage: endlich wieder tauchen.

Der erste Tauchgang führt zu einem alten US-Frachtschiff. Dort sehen wir Muränen, viele Fische, Flundern, einen Oktopus und beim Safety Stop noch einen neugierigen Triggerfish. Der zweite Tauchgang ist bei einem grossen Bogen, durch den wir hindurchtauchen. Wieder gibt es viele Fische, einen riesigen Lobster, Seegurken und allerlei Kleinkram, der unter Wasser plötzlich faszinierend wirkt.

Getaucht wird mit Best Spot Diving bei Dori Wreck und Willy’s Wonder.

Burger

Nach dem Tauchen ist mein Akku ziemlich leer. Ein Burger später und mit ein paar Einkäufen für die nächsten Tage gehe ich zurück ins Hostel und mache für den Rest des Tages nicht mehr viel. Der Körper ist müde, der Kopf angenehm still.

Donnerstag – Grünes São Miguel Link zu Überschrift

Der Morgen beginnt mit Frühstück im Hostel, bevor ich in den botanischen Garten gehe. Ich bin noch etwas neben den Schuhen, aber die Ruhe hilft sofort. Überall Bäume, Blumen und ein paar erstaunlich entspannte Frösche im Teich. Genau die Art von Ort, an dem man automatisch langsamer wird.

Weg durch den botanischen Garten
Frösche im botanischen Garten
Blumen im botanischen Garten

Danach geht es weiter zur Ananasfarm. Dort lerne ich, wie die Azoren-Ananas angebaut wird, und vor allem auch, wie sie schmeckt: sehr gut.

Ananasbeet
Frisch geschnittene Ananas

Der Rest des Tages ist bewusst unspektakulär: Mittagessen, Siesta, Spaziergang, ein Telefonat, noch ein bisschen herumgehen, duschen und Abendessen. Nicht jeder Reisetag braucht ein grosses Programm. Manchmal reicht es auch, einfach anzukommen.

Freitag – Mit Emir ans Wasser Link zu Überschrift

Am Morgen frühstücke ich mit anderen aus dem Hostel. Eigentlich habe ich keinen festen Plan, also schliesse ich mich spontan Emir an. Wir lernen uns beim Frühstück kennen, und ich hänge mich einfach an seinen Plan an.

Wir warten etwa eine halbe Stunde auf den Bus, bevor die Fahrt losgeht. Sie ist, sagen wir, lebendig. In Furnas gehen wir zuerst der Strasse entlang und dann schön am See entlang bis zu einem Ort mit heissen Quellen. Dort sieht man, wie traditionelle Eintöpfe direkt in den Quellen gekocht werden.

Der Furnas-See unter grauem Himmel
Dampfende heisse Quellen in Furnas

Anstatt gemütlich weiter am See entlangzugehen, entscheiden wir uns für einen Park. Ein Bach führt uns immer weiter hinauf, vorbei an kleinen Wasserfällen und Aussichtspunkten. Ganz oben wartet ein wunderschöner Wasserfall. Wir setzen uns zu dessen Fuss auf einen grossen Stein und bleiben eine ganze Weile einfach dort sitzen, schauen und hören zu. Eine dieser Pausen, bei denen man nicht viel macht und trotzdem genau am richtigen Ort ist.

Aussicht im Park bei Furnas
Wasserfall im Park bei Furnas
Wasserfall im Park bei Furnas

Irgendwann merken wir, dass es Zeit für Mittagessen ist. Zurück im Dorf probiere ich den traditionellen Eintopf mit allerlei Fleisch, Kartoffeln und Kohl. Es gibt Cozido das Furnas.

Cozido das Furnas zum Mittagessen

Eigentlich möchten wir noch in den Thermen baden, aber die Zeit wird knapp und die Sonne inzwischen ziemlich warm. Also nehmen wir den Bus zurück. Genau in diesem Moment beschliesst das Insel-ÖV-Universum kurz, gegen uns zu arbeiten: Der erste Bus hält nicht an unserer Haltestelle, der zweite fährt entgegen dem Fahrplan nicht nach Ponta Delgada. Zusammen mit anderen gestrandeten Reisenden organisieren wir schliesslich ein Taxi. Statt um 16.10 Uhr mit dem Bus zurückzufahren, sind wir erst um 18.30 Uhr per Taxi wieder unterwegs.

Etwas genervt, aber immerhin mit einer Geschichte mehr im Gepäck, komme ich zurück ins Hostel. Nach einer erfrischenden Dusche gehen wir mit anderen aus dem Hostel noch in eine Pizzeria und anschliessend auf ein Bier in eine Bar. Der Tag endet deutlich besser, als er zwischendurch gelaufen ist.

Samstag – Westküste, Regen und schwarzer Sand Link zu Überschrift

Nach dem Frühstück heisst es packen und auschecken. Aus dem gestrigen Abenteuer gelernt, buche ich spontan ein Auto. Es geht an die Westküste von São Miguel, zuerst nach Ponta da Ferraria, wo warme natürliche Pools am Küstenrand warten sollen.

Küste an der Westseite von São Miguel

Unterwegs beginnt es zu regnen, und auch beim Herumlaufen werde ich ordentlich nass. Das vulkanische Gestein und die steilen Klippen sehen trotzdem atemberaubend aus. Als ich den Fuss ins Wasser halte, ist die Begeisterung aber schnell relativiert: Von wegen schön warm. Bei dem Wellengang bleibt da nicht viel von einem gemütlichen Bad übrig.

Felsbogen an der Küste

Also zurück ins Auto und weiter zum nächsten Stopp. Diesmal ein Strand mit schwarzem Sand. Spätestens dort wird klar, dass jemand nicht auf nasses Wetter eingestellt war. Der Sand klebt zwischen den Zehen, das Wasser spült über die Füsse, und für mehr reicht meine Badeüberzeugung gerade nicht.

Oktopus zum Mittagessen

Zum Mittagessen probiere ich eine lokale Spezialität: Oktopus. Er ist okay, aber wohl nicht mein neues Lieblingsessen.

Nebel über Sete Cidades

Gesättigt mache ich mich noch auf den Weg nach Sete Cidades, in der Hoffnung, vielleicht doch noch etwas zu sehen. Dort bleibt der Regen hartnäckig, also gibt es zuerst Kuchen und Kaffee. Danach fahre ich trotzdem noch weiter, auch wenn die Aussicht eher in die Kategorie “könnte besser sein” fällt.

Anschliessend mache ich mich auf den Rückweg, bringe das Auto zurück und werde zum Flughafen gefahren. Alles läuft reibungslos, und ich warte dort auf meinen Flug nach Pico.

Boarding für den Flug nach Pico